"Ein Apostroph oder ein Komma an der falschen Stelle kann echten Ärger verursachen."


Am 1. August veranstaltete HELTA-Mitglied Vincent Wongaiham-Petersen einen Workshop mit Kirk Beahm über die Grundlagen des Unterrichtens von Legal English. Teilgenommen haben HELTA-Mitglieder sowie Mitglieder anderer ELTA-Gruppen in ganz Deutschland — darunter auch Melta. Sarah Herrmann-Hopwood war online dabei und tauchte vorsichtig in die Welt des Legal-English-Unterrichts ein — nichts für schwache Nerven!
Kirk legte mit großem Tempo los und behandelte Funktionswörter, eingeschobene Satzteile, Pronomen, Inhaltswörter und Zeichensetzung anhand sehr guter authentischer Beispiele. Er sprach über die Herausforderungen beim Arbeiten mit mehr als 250 möglichen Funktionswörtern in juristischen Dokumenten — viele davon werden ausschließlich in juristischen Texten verwendet.
Anschließend riet Kirk uns, besonders auf eingeschobene Satzteile zu achten. Das sind die Teile juristischer Sätze, die nicht zum eigentlichen Kern aus Subjekt, Verb oder Objekt gehören — zum Beispiel Formulierungen wie „pursuant to …“. Diese Satzteile können sehr unterschiedlich, lang und komplex sein und müssen mit den Lernenden Schritt für Schritt aufgeschlüsselt werden, da sie damit oft Schwierigkeiten haben. Dass Subjekt und Objekt selbst wiederum aus Phrasen oder langen Aufzählungen bestehen können, macht die Sache zusätzlich komplex.
In einem Vertrag können außerdem viele Pronomen und Determinanten vorkommen. Für die Lernenden kann es schnell verwirrend werden, auf wen oder was sich eine Formulierung bezieht. Deshalb kann es hilfreich sein, genau dies mit ihnen zu üben.
Inhaltswörter sind wichtig, aber jeder halbwegs vernünftige Mensch kann von Fachjargon überwältigt werden, der im Alltagsenglisch kaum vorkommt und stark von Branche, Rechtsgebiet und Dokumenttyp abhängt. Wenn Sie mit einem englischen juristischen Dokument voller Fachjargon konfrontiert sind, bitten Sie Ihre Lernenden, den Text in Plain English umzuschreiben. Zur Unterstützung können Sie sie thematische Vokabellisten auf Basis von Verträgen oder Vereinbarungen aus ihrem Unternehmen erstellen lassen. Auch hier ist Vorsicht geboten, denn manche Begriffe bedeuten in der Sprache von Juristinnen und Juristen etwas anderes als im normalen Englisch — zum Beispiel „furnish“.
Zeichensetzung spielt in juristischen Dokumenten eine ganz eigene Rolle. Alle, die schon einmal mit Verträgen, Service-Level-Agreements oder Geheimhaltungsvereinbarungen — den berühmten NDAs — gearbeitet haben, wissen: Ein Apostroph oder ein Komma an der falschen Stelle kann echten Ärger verursachen.
Die zweite Hälfte der Sitzung war für mich am hilfreichsten. Kirk behandelte drei Bereiche, die jeweils eigene Unterrichtseinheiten sein könnten. Er gab uns einige großartige Beispiele an die Hand, die uns Legal-English-Neulingen sehr geholfen haben.
Parsing ist eine wesentliche Fähigkeit. Üben Sie mit Ihren Lernenden, wie man das Subjekt — also die Nominalphrase —, das Hauptverb und das Objekt identifiziert.
Top-Tipp: Wenn Lernende das Hauptverb finden sollen — wahrscheinlich zwischen vielen anderen Verben in einem einzigen Satz! —, ist das eine gute Möglichkeit, ihr Niveau einzuschätzen.
Essentializing — ein Begriff von Kirk — beschreibt den Prozess, einen langen, komplizierten juristischen Satz auf seinen Kern aus Subjekt, Verb und Objekt zu reduzieren, also auf seine wesentlichen Bestandteile. In Kurzform: SVO. Das ist eine sehr gute Fähigkeit, die Lernende üben sollten. Als Englischlehrende müssen wir unseren Lernenden bewusst machen, dass Informationen in komplizierten Sätzen leicht verloren gehen können. Wir sollten ihnen helfen, die Kernaussage zu finden und zu verstehen. „Reducing“ ist die Kunst, viele Formulierungen auf den eigentlichen Kontext und die zentrale Bedeutung zu reduzieren. Diese Übung eignet sich vor allem für fortgeschrittene Lernende.
Zum Abschluss arbeiteten wir in virtuellen Breakout-Räumen und tauschten uns über unsere Erfahrungen mit dem Unterrichten von Legal English aus. Das war sehr interessant.
Die Plain-English-Bewegung ist im juristischen Kontext sinnvoll und wichtig:
• Mehrdeutigkeit vermeiden, also den Einsatz von zu viel Fachjargon
• Kontext ist alles
• die verschiedenen Rechtssysteme berücksichtigen
• kulturelles Bewusstsein ist unerlässlich
• Legal English zu unterrichten ist keine Übersetzung
• möglichst authentisches Material verwenden.
Wie bei jedem spezialisierten Bereich des Englischunterrichts gilt auch hier: Vorbereitung ist alles. Legal English erfordert zusätzliche Zeit, um sich in das Thema einzuarbeiten. Aber die Arbeit zahlt sich aus, wenn man die eigene Liebe zur englischen Sprache mit Lernenden teilt, die gerne mit Sprache und all ihren Feinheiten arbeiten.
Sarah Herrmann-Hopwood
Sarah Herrmann-Hopwood wurde in Großbritannien geboren. Sie studierte Chemie an der University of Sheffield und unterrichtete anschließend Chemie und Naturwissenschaften. Danach zog Sarah nach London und begann ihre Karriere im Marketing und in der Werbung. 25 Jahre lang arbeitete Sarah für Werbeagenturen auf der ganzen Welt. Kürzlich absolvierte Sarah den CELTA-Kurs an der MVHS und unterrichtet heute allgemeines und Business English in Erding, München und online.
Kirk Beahm
Kirk Beahm ist Bildungsberater und Spezialist für Zweitspracherwerb. Zu seinen Arbeiten gehört die Entwicklung des BridgeRise-Ansatzes. Seit 2018 arbeitet er mit Alexandra Mareschi an The Legal Professional, einer Publikation, die sich Lernmaterialien und beruflicher Weiterbildung im Bereich English for the legal industry widmet.