Vom 14. Februar: Als ich jünger war, machten meine Freundinnen oft Witze darüber, dass ich nach einem Glas Wein eine Art „alkoholbedingte Zuneigung“ entwickeln würde – und ihnen dann übertrieben oft sagte, dass ich sie „liebe“. Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch und trage mein Herz auf der Zunge. Aber nach fast 30 Jahren Berufserfahrung frage ich mich: Gehört dieses Wort sprachlich überhaupt an den Arbeitsplatz? Oder sind es nur diese überbegeisterten, überschwänglichen Amerikaner, die einen glauben lassen, dass es dort eine ganz normale Konvention ist?
Auf den ersten Blick scheint „love“ im Business English fehl am Platz zu sein. Das Wort wird normalerweise mit Intimität, Emotionen und persönlichen Beziehungen verbunden und wirkt in einer Welt, die von Rationalität, Effizienz und Professionalität geprägt ist, eher unpassend. Und doch ist „love“ heute fest in der modernen Geschäftssprache verankert – als strategisches, idiomatisches und interaktionales sprachliches Werkzeug.
„Love“ am Arbeitsplatz und der Bedeutungswandel
Im Business English durchläuft „love“ häufig eine sogenannte semantische Abschwächung. Das bedeutet, dass die emotionale Intensität eines Wortes reduziert und neu eingesetzt wird. Statt tiefe persönliche Gefühle auszudrücken, dient „love“ oft als positive Bewertung oder Zustimmung.
Typische Beispiele sind:
• The board loved the proposal.
• Love the new website!
• I’d love to discuss this further.
• Have you been to the new canteen? What’s not to love?
Dieser Bedeutungswandel zeigt sich besonders deutlich in moderneren, urbanen Ausdrücken wie „love it“ und „love that“. In Meetings und informellen Gesprächen funktionieren diese Phrasen als Diskursmarker: Sie signalisieren sofortige Zustimmung, Übereinstimmung oder Unterstützung – ohne lange Erklärung.
• This redesign reduces friction — love it.
• You flagged the issue early — love that.
Diese Ausdrücke haben längere Formulierungen wie „I think this is a very effective solution“ oder „I support this approach, well done“ weitgehend ersetzt. Sie ermöglichen es Sprecherinnen und Sprechern, Zustimmung effizient auszudrücken und gleichzeitig den Gesprächsfluss aufrechtzuerhalten.
Geschäftskommunikation ist von Natur aus überzeugend, und „love“ spielt eine bemerkenswerte Rolle dabei, positive Wahrnehmung und Zustimmung zu erzeugen. Kein Wunder also, dass „love“ in Marketing- und Branding-Sprache absolut üblich ist.
• A product customers love
• A service people love using
• Customers love the new platform.
Neutralere Alternativen verwenden
Auch wenn es am Arbeitsplatz durchaus akzeptabel ist, „love“ zu verwenden, kenne ich nicht viele Steuerberater oder Anwälte, die es häufig tun. Tatsächlich bevorzugen manche Sprecherinnen und Sprecher neutralere Alternativen, die dieselbe kommunikative Funktion erfüllen, aber die emotionale Nuance von „love“ vermeiden.
Die folgende Übersicht zeigt typische Verwendungen und mögliche Alternativen:
| „Love“-Ausdruck | Funktion | Neutralere Alternative |
|---|---|---|
| Love it | Schnelle Zustimmung / Unterstützung | That works / Sounds good / Go for it |
| Love that | Zustimmung / Übereinstimmung | That’s a really good idea / I’m totally on board |
| Love that for you | Persönliche Bestätigung / Zustimmung zu einem Ergebnis | That’s a great solution for you. Great news, well done |
| I’d love to see this … | Höfliche Bitte / Einladung | I’d really like to see this … / I’m genuinely interested to take a look |
„Love“ in Lob und Anerkennung überstrapazieren
„Love“ ist vielseitig, wird aber häufig in Komplimenten überstrapaziert – besonders in informellen Chats, E-Mails oder Meetings. Formulierungen wie „I love this idea“, „Love that!“ oder „I love what you did“ können an Wirkung verlieren, wenn sie zu oft wiederholt werden. Zustimmung wirkt dann automatisch statt bedeutungsvoll.
Zu viel „love“ kann auch konkretes Feedback verdecken, das für berufliche Entwicklung oder die Ausrichtung eines Teams deutlich hilfreicher wäre. In einem Performance Review könnte man zum Beispiel sagen, man sei „impressed“, etwas habe „caught your eye“ oder „stood out“, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter große berufliche Fortschritte gemacht hat. Wenn eine Führungskraft zu viel „love“ verwendet, wirkt es schnell flatterhaft oder wenig substanziell.
Idiomatische Verwendungen von „love“ in Geschäftsbeziehungen
Natürlich ist Englisch eine Sprache voller idiomatischer Ausdrücke. Und Business English ist da keine Ausnahme.
Idiomatische Wendungen, die durchaus ihren Weg in den Meetingraum finden können, sind zum Beispiel:
• No love lost
Dies signalisiert, dass zwischen zwei Personen oder Organisationen kein besonders gutes Verhältnis besteht.
There’s no love lost between the two departments after the restructuring.
• Love–hate relationship
Dieser Ausdruck beschreibt ein ambivalentes Verhältnis zu Systemen, Prozessen oder Rollen.
Managers often have a love–hate relationship with performance metrics.
• Labour of love
Dieser Ausdruck bedeutet, dass mehr Arbeit in etwas steckt, als ursprünglich erwartet wurde – oft aber, weil einem die Sache persönlich wichtig ist.
The mentoring initiative became a labour of love for senior leadership.
Diese Verwendungen sind akzeptabel, weil sie emotionale Sprache entpersonalisieren und es Sprecherinnen und Sprechern ermöglichen, indirekter zu kommunizieren.
Das eine sagen und das andere schreiben
Es lässt sich nicht leugnen: Das Wort „love“ hat seinen Platz im geschäftlichen Sprachgebrauch – besonders am Wasserspender. Man sollte sich nur bewusst sein, dass das, was man sagt, und das, was man schreibt, zwei verschiedene Dinge sind.
„Love“ kann Begeisterung ausdrücken oder die Leidenschaft von Kundinnen und Kunden beschreiben. Für formelle, schriftliche oder unbekannte Korrespondenz ist es jedoch in der Regel zu informell.
| Aussage gegenüber Kunden, Kolleginnen oder am Ende einer informellen E-Mail | Formulierung in einer formelleren E-Mail |
| I would love to review your proposal. | Please do send me a copy of your proposal. I’m eager to see it. |
| Customers love our new interface. | I’m pleased to say that customers have responded very positively to our new interface. |
| Love your design! | The new design is a triumph! |
| I’d love to get involved. | I’d be delighted / honoured if you’d bring me into the core team. |
| With love, Beth | Best regards / Yours sincerely / Yours faithfully |
Hinweis:
Best regards ist eine allgemeine, sichere Grußformel.
Yours sincerely verwendet man, wenn man den Namen der Person kennt, an die man schreibt.
Yours faithfully verwendet man, wenn man den Namen der Person nicht kennt.
Den richtigen sprachlichen Weg finden
Für Marketeers liegt die Stärke von „love“ in seiner strategischen Mehrdeutigkeit: Es drückt Begeisterung aus, ohne zu viel Verbindlichkeit zu schaffen. Es unterstützt Zustimmung und trägt zu einer Unternehmensstimme bei, die engagiert, motivierend und menschenorientiert klingt.
Generell hat sich „love“ im Business English von einem stark emotional aufgeladenen Begriff zu einer vielseitigen sprachlichen Ressource entwickelt. Durch semantische Abschwächung, Diskursmarker, den bewussten Umgang mit Überverwendung und die kontextsensible Unterscheidung zwischen formeller und informeller Sprache hat sich das Wort definitiv einen Platz auf Ihrer Business-English-Vokabelliste verdient.
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